Wann der erste Bauerngarten im deutschsprachigen Raum existiert haben könnte, läßt sich nicht einmal annähernd mit Sicherheit sagen. Vermutungen nach etwa um das 5. Jahrhundert nach Chr.. Ursächlichen und bestimmenden Einfluß auf Anlage und Pflanzen des Bauerngartens hatten ohne Zweifel die Klöstergärten.
Der "typische" Bauerngarten zeigt in fast allen Landschaftsteilen und Regionen in seiner Anlage die Gliederung eines quadratischen oder rechteckigen "Gevierts" durch ein Wegekreuz, hervorgegangen aus der klösterlichen Gartenanlage. In seiner weiterentwickelten Form ist - im Schnittpunkt des Wegekreuzes - der Mittelpunkt des Gartens durch ein schmückendes Rondell hervorgehoben.

Von großer Bedeutung für den Gartenbau im frühen Mittelalter war das "Capitulare de villis", eine karolingische Landgüterverordnung, die im Jahre 812 von Karl dem Großen erlassen wurde. In Kapitel 70 des "Capitulare" heißt es " Wir wollen, daß man im Garten alle Kräuter habe, nämlich":.... (Pflanzenliste des "Capitulare de vilis")

Ein weiterer Markstein in der Entwicklung des Bauerngartens stammt von der Äbtissin und Begründerin der Klöster Rupertsberg und Eibingen bei Rüdesheim, Hildegard von Bingen (1098 - 1179). 230 Pflanzenbeschreibungen sind in ihrem Werke der Heilkunde - "Physica"- genannt und haben wiederum über die Klöster zu beachtlichem Pflanzenzuwachs auch in den Bauerngärten geführt.

Ein weiterer Wegbereiter der Gartenkultur war der Dominikanerpater Albertus Magnus (1193 - 1280). Mit seinem Standardwerk über die Gartenpflanzen "De vegetabilibus", war er Wegbereiter der Gartenkultur.

Im hohen Mittelalter entwickelten sich die bäuerlichen Gärten weiter. In dieser Zeit waren sie reine Nutzgärten mit Gemüse, Gewürz- und Arzneipflanzen. Ausgesprochene Zierpflanzen kannte man damals noch nicht. Im 16. Jahrhundert wurden die Bauerngärten durch die nach dem Vorbild der italienischen Renaissance-Gärten angelegten Herrschaftsgärten beeinflusst, u. a. übernahm man die Buchseinfassung der Beete.

Bereits mit der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus im Jahr 1492, sowie des Seeweges nach Ostindien durch Vasco da Gama 1494, wurden viele neue Pflanzen in den Bauerngärten heimisch, das heißt, über den Umweg der Klöster und Burggärten.

Was wir heute als klassische Bauerngartenblumen bezeichnen, sind eigentliche Exoten. So kamen Sonnenblume, Goldraute, Herbstaster, Phlox und wilder Wein aus Nordamerika, Petunie, Kapuzinerkresse, Dahlien und Kokardenblume aus Südamerika. Ostasien und Ostindien bescherten uns Sommerastern, Begonien und Balsaminen. Aus Südeuropa und dem Orient wanderten Rittersporn, Jelänger-jelieber, Salbei, Bartnelke, Flieder, Rosmarin und Fenchel ein.

Unser Bauerngarten ist ein uralter, dabei großzügiger Sammelplatz der schönsten Pflanzen der Welt.


Wie sieht der typische Bauerngarten aus?

Im kunterbunten Bild der alten und neuen Bauerngärten ist sehr wohl ein klares Ordnungsprinzip zu erkennen: Das aus der klösterlichen Gartenanlage übernommene Wegkreuz im Geviert. In seiner einfachsten Art teilt es die Gartenfläche in vier gleich große Beete auf. Ob quadratisch oder rechteckig hängt von der Gesamtfläche des Gartens ab.

In der Mitte findet sich das Rondell mit Solitärpflanzen, Rosen, Stockmalven oder Lilien.

Die Breite der Wege hängt von der Größe des Gartens ab. Mit Sand oder Kies bestreute Wege erleichtern das Begehen bei nassem Wetter. Natursteinplatten finden ebenfalls Verwendung. Als besonders schöner Wegbelag wurde früher Gerberlohe verwandt oder heute Rindenmulch.

Wegeinfassung und Wegkanten hat man befestigt z. B. mit Holz, Klinker oder bodenständigem Gestein.

Die traditionelle Beeteinfassung im Bauerngarten ist der Buchs, er bildet eine klare Abgrenzung zwischen Weg und Beet, fasst Blumen aller Größen und Farben in einen gefälligen, neutralen Rahmen und schafft vor allem optische Ordnung. Eine gepflegte, möglichst niedrige Buchseinfassung ist die kunst- und stilvollste Wegeinfassung seit dem Barock.


Zäune

Die Einzäunung des Gartens erfolgte schon in seinem Anfangsstadium aus verschiedenerlei Gründen. Die vornehmliche Aufgabe eines Zaunes war damals wie heute, Eindringlinge vom Garten fern zu halten. Das Wort Garten ist möglicherweise vom althochdeutschen "gerta" (= Rute, Stecken) abgeleitet. Der Mensch schützte so seine Pflanzenkulturen gegen Wild- und Haustiere.

Doch noch eine andere Funktion hatte der Zaun schon in seiner Urform: Er schuf eine eindeutige Rechtssituation. Ein Garten "solle sich selber Frieden geben" ( Zaun = Einfriedung).
Die Vorläufer des heutigen Zaunes waren senkrecht in den Boden gestecke Ruten und Zweige von Baum- und Straucharten. Später entwickelten sich Stangenzäune aus nicht entastetem Stangenholz von Nadelbäumen, meist in zwei Reihen zwischen parallel besetzten Stützpfosten verlegt. Ab ca. 1000 n. Chr. kamen Flechtzäune auf, die man bis heute findet. Hier handelt es sich um Zäune aus senkrechten, zuspitzenden Rundlingen, deren Zwischenräume mit Rutenzweigen , meist Weiden, geflochten wurden. Einfach oder doppelt verbundener Staketenzaun, Steckzaun bis zum Speltenzaun sind weitere Varianten, die im Laufe der Jahrhunderte aufkamen, bis schließlich im 19. Jahrhundert auch gußeiserne Zäune Haus- und Bauerngärten umgaben. Gelegentlich dienten als Einzäunung auch halbhohe Trockenmauern aus dem Gestein der umliegenden Landschaft.


Hecken

Als Umzäunung der Gärten hat man auch Sträucher und Heckengehölze gepflanzt, vor allem stachel- und dornenbewehrte Arten wie Wildrosen, Weißdorn, Schlehe. Hasel, Liguster und Feldahorn bieten guten Windschutz. Als Heckenersatz dienten häufig auch entlang dem Zaun gepflanzte Beerensträucher.


Gartenlauben und Pergolen

Gartenlauben und Pergolen haben in den einstigen Bauerngärten nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Dies sind Elemente späterer Zeit und hier nur gebietsweise auf den Anwesen begüterter Bauern und großzügiger Gutshöfe in Erscheinung getreten.


Kompost

Der Kompost sollte im Garten nur insofern ein Schattendasein führen, als er von den Bäumen und Sträuchern beschattet sein sollte. Aber von seinem Rang her ist er die zentrale Recycling-Anlage für organische Substanzen im Garten. Richtig aufgesetzter Kompost benötigt ½ bis 1 Jahr, bis er verwendet werden kann und ein wichtiger Lieferant für Humus und Nährstoffe des Bauerngartens darstellt. Während seiner Ruhephase hat sich das Bewachsenlassen mit Kapuzinerkresse, Kürbis und Zucchini gut bewährt.


Wasser

"Ohne Wasser ist kein Heil" - Goethe -.

Zu jedem Bauerngarten gehört ein Brunnen. Die Sonne wärmt den Vorrat an Wasser und sorgt für reiches Bakterienleben. Das ist Gartenwasser. Am Abend wird mit der Kanne geschöpft und über die Brause begossen - am besten mit grünlackierten Metallkannen aus verzinktem Blech, die leider viel zu sehr von den leichteren und billigeren Kunststoffkannen verdrängt wurden.

Was wächst im Bauerngarten?

Es gehört zu den in Jahrhunderten gewonnenen Erfahrungen, daß sich im Bauerngarten nur solche Pflanzen behaupten konnten, die bescheiden und von robuster Natur sind, in ihrem Nutzen jedoch ein Vielfaches erwarten lassen.

Räumliche Aufteilung des alten Bauergartens ist streng in Würz- und Kräutergarten, Gemüsegarten und Baumgarten getrennt. Hinzu kam häufig noch die Bleiche. Für das Bleichen am geeignetsten war ein auf ca. 8 cm Höhe geschnittener Rasen, der vorwiegend aus sog. Obergräsern mit ziemlich stabilen Stengeln bestand. Dadurch waren die Wäschestücke ausreichend weit vom Erdboden entfernt und luftig gelagert.
Ein Bleichrasen besteht aus etwa 50% Rotschwingel, 35% Wiesenrispen , 10 % Weidelgras und 5% Rotstraußgras.


Pflanzen des Würz- und Kräutergarten

siehe Würz- und Heilkräuter


Gemüse, Salate und andere Zuspeisen

siehe Gemüse, Salate und andere Zuspeisen


Sträucher

siehe Sträucher


Hausbäume

siehe Hausbäume


Erst später kamen Schmuckblumen als selbständiger Gartenteil hinzu.

Empfehlung für eine stilvolle Blumenanlage

siehe Empfehlung für eine stilvolle Blumenanlage

Der Blumenpoesie sind im Bauerngarten keine Grenzen gesetzt. Vom zeitigen Frühjahr bis zum Spätherbst ist es ein buntes Wogen, ein Feuerwerk an Blumenpracht und Farben. Immer wieder gruppieren sich bescheidenere Blumen und Stauden um besondere Höhepunkte. Einmal ist es die Hoheit der Lilien, die sich den ganzen Sommer hindurch entfaltet. Dann wieder ziehen Pfingstrosen die Bewunderung auf sich. Stiefmütterchen, Kapuzinerkresse, Vergißmeinnicht decken den Boden, dahinter wuchert der Phlox und leuchtet der Sonnenhut.

Der Bauerngarten muß bunt sein.

Zur Dahlienzeit erlebt der Bauerngarten noch einen, vielleicht den schönsten und farbenprächtigsten Höhepunkt. Und im sanfteren violetten Farbenspiel der Herbstastern klingt das Blumenjahr aus.


Literatur:

Dittrich, Werner
Bäuerliche Gärten
2. Auflage, Stuttgart 1990

Hohenberger, Eleonore
Der Bauerngarten
1. Auflage, München 1990

Kremer, Bruno P.
Lebensraum aus Menschenhand
1. Auflage, Köln 1997

Lange Joachim
Kräutergärten im Rheinland
in : Rheinische Heimatpflege 2/99

Nowak-Nordheim, Walter
Der Bauerngarten
1. Auflage, München 1982

Phillips, Sue
Bauerngärten
1.Auflage, München 1994

Unterweger, Wolf-Dietmar und Ursula
Das große Buch der Bauerngärten
1. Auflage, München 1994